
Das Kriegsgeschehen und die Nachkriegszeit schildert Otto Soyka in seinem Buch „Geschichten aus einer anderen Zeit – Jugenderinnerungen aus Münsterdorf und Breitenburg“, das er im hohen Alter schrieb.
Es war der 5. Januar 1944, als der damals Neunjährige einen Luftkampf über dem Kreis Steinburg beobachtete. Deutsche Kampfflugzeuge lieferten sich eine Schlacht mit englischen und amerikanischen Maschinen. Otto Soyka berichtet, dass dabei ein deutsches Flugzeug abgeschossen wurde. Der Pilot rettete sich mit dem Fallschirm und landete in Rethwisch. Dort wurde er von Dorfbewohnern versorgt. Weniger Glück hatten feindliche Flieger. Soyka schreibt: „Die vielen (…) Piloten, die dabei den Tod gefunden hatten, mussten von polnischen Kriegsgefangenen, die in Dägeling bei Bauern arbeiteten, auf ein Pferdefuhrwerk geladen werden. Die Leichen wurden nach Münsterdorf auf den gemeinsam genutzten Friedhof der Dörfer Münsterdorf, Dägeling und Kremperheide transportiert.“ Dort wurden sie begraben.
Otto Soyka beobachtete zusammen mit anderen, wie alliierte Soldaten von polnischen Kriegsgefangenen in ein Massengrab geworfen wurden. „Uns liefen kalte Schauer über den Rücken“, erinnert sich der Autor. So dürfe man auch nicht mit „feindlichen Menschen“ umgehen, schreibt er. Und weiter: „Den polnischen Arbeitern fiel es sichtlich schwer, diese Zwangsarbeit zu verrichten. Einer von ihnen fing an zu weinen und weigerte sich, weiterzumachen. Plötzlich erschien unser Pastor Rustmeier an dem Ort des schrecklichen Geschehens. In seinem kirchlichen Talar und mit der Bibel in der Hand wollte er den ums Leben gekommenen Soldaten das letzte Vaterunser beten. Wild gestikulierend kam der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Hachmann, hinter dem Pastor her und verstellte ihm energisch den Weg. Er hatte diese ganze Aktion aus der Ferne beobachtet. Laut brülle er auf den Pastor ein, er solle unverzüglich den Friedhof verlassen, für Feinde dürfe er keinerlei Gebete aussprechen. Er wies ihn gnadenlos vom Gottesacker. Ohne Widerspruch drehte sich Pastor Rustmeier um und verließ niedergeschlagen den Friedhof.“ Soweit Otto Soyka in seinem Buch.
Aus zum Teil übereinstimmenden Unterlagen der hiesigen Kirchengemeinde, des Internet-Portals „B-17 Flying Fortness – The Queen oft the Skies“ (B-17 Fliegende Festung – die Königin der Lüfte) und des „Projektes Luftfahrtspuren“ von Olaf Weddern (Kiel) und Michael Tesch (Horst) stürzten bei der von Otto Soyka erwähnten Luftschlacht am 5. Januar 1944 zwei US-Bomber nach ihrer Rückkehr von Kieler Kampfeinsätzen ab:
um 11.30 Uhr der B-17-Bomber mit der Werknummer 42-31093 in Dägeling und
um 11.33 Uhr ein Bomber bei Kremperheide/Bockwisch.
Insgesamt kamen bei den beiden Abstürzen 16 oder 17 Kampfflieger ums Leben. Die überlieferten Zahlen differieren.
Einem Eintrag in den Kirchenbüchern unserer Kirchengemeinde ist zu entnehmen, dass der Tag der Beerdigung von neun Fliegern der 8. Januar 1944 gewesen ist:
Es waren aus der um 11.30 Uhr bei Dägeling abgeschossenen Maschine
Tom Eaton,
Henry Lee Hainline (Co-Pilot),
Robert S. Doty (Navigator),
Arnold G. Clark (Funker),
Cliff Lifford W. Wright (Bombardier),
Carles W. Blondell (Heckschütze) und
ein unbekannter, nicht identifizierter Mann;
aus der um 11.33 Uhr bei Kremperheide/Bockwisch abgeschossenen Maschine waren es
Eugene Higgins und
Leonhard Feingold.
Über Dägeling stürzten auch der Kugelturmschütze Ray Ferrall und der Hüftschützte Boleslaw Caglerek ab. Wo sie beerdigt wurden, ist bislang ebenso unbekannt wie Grabstätte und Beerdigungsdatum weiterer nicht näher benannter amerikanischer Soldaten.
Fest steht aber, dass aus der Maschine, die in Dägeling niederging, der Flugingenieur Ray Matheny und der Hüftschütze Arnold Nevella den Absturz überlebten und den Unterlagen nach in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten
Wie den kirchlichen Unterlagen zu entnehmen ist, wurden die am 8. Januar 1944 auf unserem Friedhof beerdigten Flieger auf Anordnung der Alliierten vom 2. Mai 1946 exhumiert und dann zum U. S. – Militärfriedhof nach Neuville-Erc-Condroy gebracht. In den belgischen Ardennen, unweit des Flusses Maas, fanden sie ihre letzte Ruhestätte.




